Was kommt denn jetzt, mögen sich manche fragen. Doch es wird halb so schlimm. Der Konstruktivismus, trocken betrachtet ein wissenschaftliches Paradigma – also in etwa eine Art zu Denken und an Probleme heranzugehen – für mich jedoch viel mehr. Der Konstruktivismus, eine Art, dem Leben zu begegnen. Die Kernaussage des Konstruktivismus ist, dass unsere Realität immer nur eine Realität für dich ist, nie jedoch eine Realität an sich. Somit gibt es also keine objektive Wahrheit, sondern wir sind es, die wir unsere Wahrheit finden – geprägt durch unsere Erfahrungen, unser Umfeld, unsere Erinnerungen und Erlebnisse. Damit ist meine Realität eine andere als deine und trotzdem sind unsere beiden Realitäten für uns wahr. Was bedeutet das? Ein Beispiel zum Thema Flirten.
Stell dir vor, eineiige Zwillinge, die getrennt voneinander aufgewachsen sind, landen an einem Abend zufällig in der gleichen Bar. Der eine ist beim Vater aufgewachsen, ein starker, erfolgreicher Mann, der mit Frauen spielerisch-leicht umgeht und damit Erfolg hat. Der andere ist bei der Mutter aufgewachsen, die die Trennung vom Vater nie verkraftet hat und daher eine sehr düstere Sicht auf das Leben hat. Ausgehend von dieser Basis ist der Zwilling des Vaters über die Jahre zu einem Player geworden, der eine Frau nach der anderen abschleppt. Der andere Zwilling ist leider zum genauen Gegenteil geworden. Beide sprechen sie die gleiche Frau an. Sie reagiert bei beiden zunächst gleich, leicht distanziert erwidert sie das “Hey” ebenso mit einem “Hey”. Der Zwilling der Mutter lässt sich davon abschrecken, hat er doch die Erfahrung gemacht, dass er bei Frauen, die so kalt reagieren, sowieso keine Chance hat. Der Zwilling des Vaters hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass solche Frauen einfach etwas Zeit brauchen aufzutauen und er sie dann noch kriegen wird, also bleibt er dran und ist erfolgreich. Beide kamen mit den gleichen physischen Voraussetzungen zu der Frau, ihre Art zu Denken jedoch, hat unterschiedliche Ergebnisse gefördert.
Wenn wir also wissen, dass wir unsere Realität und Wahrheit selbst konstruieren und sie damit keine Wahrheit an sich, sondern nur eine Wahrheit für mich ist, dann können wir auch eine andere Wahrheit annehmen und versuchen, sie zu unserer neuen Realität werden zu lassen. Wir bewahren uns damit Offenheit, Offenheit dafür, dass unser Leben und unsere Wahrheit in unseren eigenen Händen liegt. Du willst, dass sich etwas verändert? Dann denke anders, beginne anders zu handeln und füttere deine gewünschte Realität mit neuen Erfahrungen und neuen Erlebnissen. Geh einfach mal anders an die Dinge heran. Öffne dich einfach für die Möglichkeit, dass deine Wahrheit und deine Realität relativ und im Fluß sind, immer bereit sich in neue, andere Richtungen treiben zu lassen.
Denke positiv, frag dich, wie deine neue Realität aussehen soll, frag dich, was sie für dein Handeln bedeutet. Was wäre zum Beispiel, wenn viele, schöne Frauen auf dich stehen? Würdest du dich dann nicht anders verhalten als jetzt? Zwinge dich dazu und schau, was passiert. Lass dich treiben und nimm deine Realität selbst in die Hand. Programmiere dein Denken neu. Das wird Zeit brauchen, weil du dein neues Denken auch mit neuen Erlebnissen verbinden musst, aber es kann gelingen, wenn du daran fest hältst und auch kleine Erfolge registriert, wahrnimmst und für dich selbst akzeptierst, dass du all das erreichen kannst, was du dir vorstellst.
Der Konstruktivismus ist für mich somit auch Lebensphilosophie. Ich weiß, dass ich nichts weiß und ich denke, was ich denken möchte. Und dann handle ich danach, meine Realität so zu formen, wie ich sie mir wünsche. Allein dieser Prozess verändert mich zum Positiven, weil ich positives annehme und bereit bin, es zu akzeptieren, wenn es sich mir nähert. Ich höre auf mich selbst zu blockieren. Bevor du das als Unsinn oder unrealistisch abtust, denke vielleicht einfach mal darüber nach. Mir jedenfalls hat es eine Entwicklung beschert, auf die ich mit Stolz zurückblicken kann. Nicht nur im Flirten, sondern in allen Bereichen meines Lebens. Ich denke, handle und bewege mich. Ein Stopschild für den Stillstand im Geist.
Wer sich weiter einlesen will, dem kann ich nur empfehlen, einmal den Baum der Erkenntnis von Maturana & Varela zu lesen. Das Buch behandelt dann auch die Grundlagen des Konstruktivismus und wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Biologie, die ihn belegen.
Liebe Grüße,
Philipp
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