Konzepte der Pick Up Szene auf dem Prüfstand: Pick up Slang – Stenographie für Nerds?

by Butterfly on 25. Januar 2011

Ich habe lange nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Das liegt einerseits an meiner noch andauernden Trainingspause und andererseits daran, dass die Amors Lehren Homepage einer gründlichen Überarbeitung und Neuerstellung unterzogen wurde, die jetzt kurz vor ihrem Abschluss steht. Bis März wird meine Absenz wohl auch noch – mit Ausnahme dieses Artikels – Absenz bleiben, danach jedoch hoffe ich mich meinem Blog wieder aktiv widmen zu können.

In diesem Artikel soll es um einige verschriftlichte Gedankengänge gehen, die ich in den letzten Tagen hatte. Der Pick Up Slang – vielleicht nicht das beste Beispiel für ein Konzept der Pick Up Szene, aber denke ich doch am besten in meiner Artikelreihe zu jenen Konzepten aufgehoben. Er ist auch einer der Hauptgründe für den schlechten Ruf der Pick Up Szene in der Öffentlichkeit, Gefahrenquelle der Menschlichkeit für Nerds und doch meiner Ansicht nach so böse nicht, wie er gern dargestellt wird.

Es gibt meiner Meinung nach ein großes Argument, welches für ihn spricht. Er vereinfacht. Natürlich kann man auch vieles, was im Pick Up Slang abgekürzt wird, anders ausdrücken, doch darum geht es gar nicht manch einmal. Es geht eher darum, dass im Slang geschulte ihn verstehen und mit den Begriffen etwas anfangen bzw. sie leicht – Erklärungen inklusive – nachschlagen können. So können sie kurze Erklärungen sofort in ein Gesamtkonzept einordnen, was die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema erleichtert. Jedoch hat der Pick Up Slang auch einen großen Nachteil, bzw. führen einige Begriffe bei wenig gefestigten Persönlichkeiten zu ziemlich bedenkenswürdigen Einstellungen und Glaubenssätzen.

Es ist einfach unnötig ein Mädel oder eine Frau HB zu nennen, erst recht nicht sie als Target (= Ziel) zu sehen und schlimm ist schließlich, was diese Begriffe implizieren. Nämlich nichts anderes als das Frauen tatsächlich vollständig kontrolliert werden könnten (dieser Glaubenssatz rührt sicher auch vom klassischen Pick Up Marketing – erobern sie jede Frau – her), dass sie zudem nicht viel mehr als austauschbare Objekte wären und dann erweckt der Pick Up Slang auch oft noch den Eindruck, dass Flirten etwas vom Krieg hätte. Target aquired, DHV Spike launched, Escalation Window open – finish Game Plan, lay now!

Während ein mit Frauen erfahrener Mann zwischen dem Erklärungswert, den man dem Pick Up Slang nicht absprechen kann, und diesen anderen, implizit nahe gelegten, Bedeutungen unterscheiden kann, kann es der typische Kerl, der gerade von der Pick Up Szene erfahren hat, meistens leider nicht. Er übernimmt dann wirklich diese oben beschriebenen Glaubenssätze, wenn nicht vollständig, dann zumindest teilweise. Herauskommt ein sozialer Roboter, der in einer Realität und mit einem Eigenbild lebt, welches meist fern ab vom erlebten Fremdbild und der Realität anderer Menschen liegt. Er fühlt sich überlegen, vor allem den Frauen – zum ersten Mal in seinem Leben. Anderen Männern sowieso, er hat ja die Geheimwaffe Pick Up! Nur leider findet er schnell heraus, dass ihn das nicht zum Erfolg führt, von Glück und Lebensfreude ganz zu schweigen und fällt in ein noch tieferes Loch als zuvor oder driftet irgendwann vollkommen ab, verliert Freunde, versaut sich selbst jede Chance bei den Mädels, die ihm eigentlich eine geben würden und wenn er ein bißchen Glück hat, rückt ihn irgendwer irgendwann wieder zurecht.

Unnötig, sage ich. Und wenn ich auch den Pick Up Slang nicht werde auslöschen können und es eigentlich auch gar nicht will (zumindest nicht im Ganzen), so hilft vielleicht dieser Artikel manchen dabei, wieder etwas mehr Gefühl dafür zu entwickeln, dass Worte tatsächlich nur Worte sind, nur Symbole mit einem dahinterliegenden Sinn. Symbole zwar, die es leichter machen, sich zu verständigen, die aber nichts mit der Welt da draussen zu tun haben.

Zumindest nicht, wenn es um Frauen geht. Die sind keine Ziele und Flirten ist kein Krieg. Es macht einfach nur Spaß, führt zur schönsten Aerobicübung, die ich kenne und wenn man es zulässt, erfüllt einen Mann mit Freude und Glück. Nicht unbedingt, weil er gleich die Liebe seines Lebens findet – wenn es die denn gibt – aber sicherlich, weil es schön ist zu erfahren, wie viele fröhliche, intelligente und interessante Frauen (und auch Männer) vor seiner Nase herumlaufen, die sich gern öffnen, wenn er es denn nur selbst tut und sich ehrliches Interesse am anderen erlaubt. Und trotzdem lässt es sich am nächsten Tag bequem – auch im Pick Up Slang, wenn nötig – darüber nachdenken, wie sich das Gespräch gestern noch besser hätte führen lassen, wie du dich selbst noch besser hättest kommunizieren können und wie du das nächste Mal noch leichter zum Ziel kommst – welches du dir auch immer gesetzt hast.

Liebe Grüße,
Philipp

Weitere Artikel:

  1. Konzepte der Pick Up Szene auf dem Prüfstand (Teil 1)
  2. Konzepte der Pick Up Szene auf dem Prüfstand: Das LSE & HSE – Modell (Teil 2)
  3. Hör auf dich!
  4. We all sarging in America (Gastbeitrag)
  5. Selbstbewusstsein

by Butterfly am 25. Januar 2011 · 2 comments

in Konzepte der Pick Up Szene auf dem Prüfstand,Wissen

Jan Februar 20, 2011 um 15:16

Hallo Philipp,
Du hast geschrieben: “Es ist einfach unnötig ein Mädel oder eine Frau HB zu nennen, erst recht nicht sie als Target (= Ziel) zu sehen …”
Das sehe ich genau so, aber primär, weil ich die “Pick-Up-Kunst” für beinahe schon “schwarzmagische” (zumindest hätte man das wohl früher nicht ganz zu Unrecht so bezeichnet) Manipulation halte.
Solche Techniken bewußt anzuwenden (unbewußt kommt man vielleicht gar nicht umhin) versuche ich persönlich zu vermeiden, ohne dabei den “PUA” zu verteufeln. Jeder wie er meint und wie er’s braucht.
Klar ist, daß einem dadurch schon so manche “gute Gelegenheit” (=”HB” …) durch die Lappen geht. Diesen Preis muß man zahlen wollen – und können vielleicht. (Noch … vielleicht bin ich irgendwann verbittert oder frustriert genug und glaube nicht mehr an das Gute in der Welt … Ja o.k., sehe selbst, das ist wohl lächerlich …!)
So, zurück zum Thema! Wenn man sich nun aber aufs Pick-Up-Denken eingelassen hat, ist es in vielen Fällen sehr wohl sinnvoll, Frauen als “HBs”, “Targets” usw. zu betrachten, gerade *weil* dies beim so Denkenden eine Herabwürdigung der Frau bewirkt.
Je weniger “groß”/beeindruckend/toll/idealisiert usw. (=einschüchternd?) eine Frau erscheint, desto leichter fällt es dem (angehenden) PUA, sie anzusprechen und zu manipulieren oder das zu versuchen. Durch so ein “Kleinmachen” hübscher Frauen macht sich der PUA in Relation automatisch groß. (Klar ist, daß wir hier von “innerpsychisch” sprechen, auf Außenstehende mag es genau andersherum wirken …)
Da es beim PU sehr wesentlich um Selbstbewußtsein des PUA geht, wie auch von PUAs des öfteren betont, steigert sich das Selbsbewußtsein des “Angreifers” und damit seine Erfolgsaussichten.
Ich hoffe, bei der Verbesserung der bösen Zauberei behilflich gewesen zu sein! (Und hoffe natürlich noch viel mehr, daß wie alle auf den Pfad der Gerechten zurücksteuern werden.)

Herzlichen Gruß und Kompliment für die interessanten Beobachtungen sowie die Webseite,
Jan

Butterfly März 4, 2011 um 14:54

Hey Jan,

Ums kurz zu machen: das stimmt alles so weit, nur kommen diejenigen, die das brauchen, trotzdem nicht zum Erfolg. Die fliegen ab einem gewissen Punkt trotzdem raus, also warum nicht gleich so lernen, dass es langfristig Erfolg bringt?

Ist zumindest meine Sicht der Dinge, Danke fürs Kompliment. :)

LG,
Philipp

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