Konzepte der Pick Up Szene auf dem Prüfstand: Das LSE & HSE – Modell (Teil 2)

by Butterfly on 23. März 2010

Jeder, der mich etwas kennt, weiß, dass ich kein großer Fan des LSE & HSE – Modells bin. Bekannt geworden durch seine Verarbeitung in “Lob des Sexismus” und ursprünglich aus dem Buch “Practical Female Psychology for the Practical Man” ist es ein Versuch Frauen nach dem Kriterium ihres Selbstbewusstseins zu kategorisieren. Dabei ist es zu einem Inbegriff des Frauenverständnisses der Szene geworden.

Wie der Ursprung des Modells schon vermuten lässt bezieht sich das LSE & HSE – Modell ausschließlich auf Frauen und das ist auch schon mein erstes Problem damit.

Genau so wie es weibliche Dramaqueens (Pfui!) gibt gibt es auch männliche, genau so wie ein Mann ein sogenannter submissiver HSE-Typ (Uh, das einzig Wahre! Der Gott, der über allem steht, so viel mehr wert als alle anderen…) sein kann, können es auch Frauen.

Wer sich also mit diesem Modell befassen und es anwenden will, der sollte sich zuerst an die eigene Nase fassen und für sich selbst feststellen, wer er ist. So verschieden sind wir Männer nämlich auch nicht in dieser Hinsicht.

Wenn sich nun selbst jemand einzuordnen versucht wird er allerdings schnell auf ein Problem treffen – irgendwie will es ihm nicht gelingen sich selbst einer der Kategorien zuzuordnen, er passt in keine Schublade. Und das ist auch gut so sowie absolut nachvollziehbar.

Jeder von uns ist ein Individuum und auch wenn keiner Persönlichkeitsmerkmale-, Werte- und Selbstbewusstseinsbezogen das Rad neu erfinden wird, so unterscheiden wir uns doch alle in den verschiedensten Bereichen, Facetten sowie größten Details.

Genau so wie ich selbst an mir Elemente finden kann, die mich einer der vorgeschlagenen Kategorien nahe bringen würden, beispielsweise der Drama Queen (böse, böse!), die auch ich sein kann, wenn mir etwas auf die Nerven geht, so kann ich auch Elemente an mir finden, die anderes besagen. So ist eine Drama Queen kaum die meiste Zeit ihres Lebens gelassen, entspannt und kaum aus der Ruhe zu bringen wie der submissive Typ (gute Sache laut Modell!). Aber auch das bin ich.

So frage ich auch euch, ob ihr nicht manchmal wie der sogenannte Opfertyp (Der Teufel in Kategoriengestalt!) aus dem Modell eine negative Seite zeigt, euer Leben in Dunkelheit gehüllt seht und einfach mal weinerlich rumnölt, um euren Frust loszuwerden. Gleichzeitig bin ich mir ziemlich sicher, dass ihr auch dominante Seiten habt wie der gleichnamige Typ (nicht übel!), vielleicht, wenn euch etwas sehr wichtig ist und wirklich bewegt, ihr euch also durchsetzen wollt.

So fällt es mir einfach schwer zu akzeptieren, dass Seiten einer Person, Blickwinkel, Konturen und Facetten, die sich situationsbedingt zeigen oder auch nicht zeigen als Grundlage dienen können, um einen Menschen einzuordnen.

Und vielleicht noch wichtiger ist – selbst wenn du es schaffst dich einzuordnen – fühlst du dich dann weniger wert? Ändert es etwas daran, was du an dir schätzt, was dich an dir stört oder wie du dir begegnest?

Oder denkst du dir – vielleicht ist so eine Schublade, in der du steckst fast wie ein Gefängnis, welches dich selbst einengt und beschränkt, dir die Fähigkeit nimmt gegenüber dir selbst offen zu sein und dich selbst als ganzes zu akzeptieren, um dann zu entscheiden, passt es für mich oder … passt es nicht?

Ist das nicht letztlich das einzige, was zählt? Und vielleicht ist es ja bei Frauen auch nicht anders.

Liebe Grüße,
Philipp “Butterfly” Goldstein

Weitere Artikel:

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by Butterfly am 23. März 2010 · 4 comments

in Konzepte der Pick Up Szene auf dem Prüfstand,Wissen

Jorge März 23, 2010 um 17:36

“bezieht sich das LSE & HSE – Modell ausschließlich auf Frauen”

Nope, würd ich nicht sagen, aus “Lob des Sexismus”:

Wenn du nach der Lektüre dieses Kapitels einsehen musst, dass du in einer Beziehung mit einem problematischen Typus lebst, beginnt die Arbeit nicht bei deiner Partnerin, sondern bei dir selbst. Denn LSE zieht LSE an, und aller Wahrscheinlichkeit (Erstaunlich häufig kannst du übrigens an den Ex-Freunden der Frauen, die du begehrst, erkennen, welcher Typ du selbst bist.)

Natürlich hast du recht mit Deiner Kritik, wenn man pauschal kategorisiert. Reines schwarz und weiß gibt es ja nie. Trotzdem kann es sinnvoll sein, ein paar extreme Archetypen zu beschreiben, um eine Orientierung für den Anfang zu bekommen. So hab ich das zumindest immer verstanden.

Jorge März 23, 2010 um 17:38

Oh, da is was am Zitat verloren gegangen:

“aller Wahrscheinlichkeit nach hast du deshalb selbst ein Problem!”

Andre aus H März 27, 2010 um 17:54

Wie immer eine schöne Anregung. Aber wie du selbst schreibst, ist es eben ein Modell. Ein Modell, dass von der Realität abstrahiert. Wenn man sich selbst nun einer Schublade (wissentlich) zuordnen will um sich dieser anzupassen wird man sich selbst in der Tat in seinem facettenreichtum beschneiden.
Kategorisiert man nun aber eine andere Person, so gewichtet man die Merkmale und Verhaltensweisen dieser Person und ordnen sie in eine Schublade, ohne aber ihren Facettenreichtum zu beschränken, sondern ihn stattdessen nur modellgeeignet zu erfassen.
Dieser subjektive Vorgang sorgt ja schon für eine individuelle Ausgestaltung, so dass unterschiedliech Betracjhter zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, die die Anwendung aber nicht zwingend schlechter machen.

Es bleibt wie du sagst eben ein Modell, dass man wie jedes Modell mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten sollte und wo man sich fragen muss, ob es für die eigene Anwendung geeignet ist. Dann hat es sicher auch seine Daseinsberechtigung.

André

Journalist Januar 26, 2011 um 23:56

Das LSE/HSE-Modell ist wir dann idiotisch wenn man denkt es gibt nur diese zwei Kategorien. Ich denke es gibt viele normale Menschen (mit der ganzen komplexen Pesönlichkeit die jeder von uns hat) und es gibt die Extreme die einen sehr hohen oder sehr niedrigen Selbstwert haben. Die LSE/HSE-Ratschläge machen doch nur für diese seltenen Extreme Sinn.

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